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Muttermilch für Frühchen | Ein Kracher!

Die Bedeutung von Muttermilch für Frühgeborene

Ein neugeborenes Baby hat eine noch unzureichende Abwehrkraft gegen Keime, da das Immunsystem sich nach und nach entwickelt. Über die Plazenta erhält es von der Mutter einige wichtige Antikörper, die auch noch Wochen bis Monate aktiv sein können. Ein Frühgeborenes ist aufgrund seiner Unreife zur Geburt noch empfindlicher und anfälliger für Infektionen, die unter Umständen auch bis zum Tode führen können. Eine bekannte Komplikation stellt die NEC- nekrotisierende Enterokolitis dar und beschreibt eine schwere Entzündung bestimmter Darmabschnitte bis hin zum Absterben der betroffenen Bereiche. Neugeborene und Frühgeborene sind somit auf die Antikörper, Fresszellen und Abwehrzellen angewiesen, die von der Mutter in der Brust gebildet und ihnen mit der Muttermilch verabreicht werden.

In der Umgebung von Mutter und Baby finden sich zahlreiche Erreger und Keime. Die mütterliche Brust produziert gezielt Antikörper, die dann das Baby aktiv vor diesen Erregern schützen. Ein sehr wichtiger Inhaltsstoff der Muttermilch ist das IgA- Immunglobulin A. Das sind Eiweiße, die zum Immunsystem des menschlichen Körpers gehören. Sie sind nicht nur im Blut, sondern vor allem auch in den Schleimhäuten zu finden. Sie wirken dort schon gegen Erreger, binden sie und neutralisieren sogar die Toxine (Gifte), die von Bakterien gebildet werden. Diese Funktion sorgt dafür, dass die Erreger nicht in den Körper gelangen, also auch nicht in den Darm. So bleiben die gesunden, wichtigen Darmbakterien erhalten und krankmachende Bakterien haben keine Chance, sich im Darm des Babys anzusiedeln.

Am Childrens Hospital in Pitsburgh hat Timothy Hand mit seinem Team Stuhlproben von Frühgeborenen mit NEC und gesunder Frühgeborener verglichen, um die Rolle des IgA im Zusammenhang mit der NEC zu untersuchen.

Es zeigte sich, dass im Stuhl der erkrankten Frühgeborenen der Anteil, der durch IgA neutralisierten Bakterien sehr gering war und kurz vor Beginn der Erkrankung nochmals reduzierter ausfiel, als bei den gesunden Babys. Da in beiden Gruppen der Frühgeborenen die Ernährung mit Frauenmilch, Muttermilch oder künstlicher Säuglingsnahrung erfolgte, zeigten sich weitere Besonderheiten. Die Frühchen, die mit Muttermilch oder Frauenmilch gefüttert wurden, wiesen einen hohen Anteil von IgA gebundenen Bakterien auf, wohingegen die mit künstlicher Nahrung ernährten Frühgeborenen erst nach einigen Wochen diese Bestandteile im Stuhl hatten. In den Stuhlproben der erkrankten Frühgeborenen wurden Darmbakterien nachgewiesen, die sich dominant vermehrt haben.

Diese Erkenntnisse brachten die Wissenschaftler dazu, diesen Zusammenhang an Mäusen genauer zu untersuchen. Sie teilten die Mäuse in zwei Gruppen ein. Eine Gruppe der Muttermäuse wies einen genetischen Defekt auf, der ein Fehlen von IgA zur Folge hat. Die andere Gruppe verfügte über IgA. Dem Futter, welches beide Gruppen erhielten, wurden Enterobacteriaceae, also Darmbakterien beigesetzt. Die Mäuse, deren Mütter über IgA, auch in der Muttermilch verfügten, blieben gesund und die Mäuse mit den Müttern ohne IgA, erkrankten an der NEC.

Wieder einmal zeigt sich, dass Mutter Natur sehr gut vorgesorgt hat und der Sinn der Muttermilchernährung von Beginn an essenziell ist. Also ran an das weiße Gold!

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